Jahreslosung 2023

Jahreslosung 2023 - Dorothee Krämer
Bildrechte: Dorothee Krämer

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"Du bist ein Gott, der mich sieht." Dieses kleine Wort stammt aus dem 1. Buch Mose, dem Buch Genesis.

Zum ersten Mal ist es ein Wort, das von einer Frau ausgesprochen wird. Sie hieß Hagar und war eine Sklavin.
In gewisser Weise war sie damit in zweifacher Weise unterprivilegiert, man kann fast sagen, Angehörige einer Unterschicht.
Zum einen als Frau, zum anderen eben als Sklavin.

"Du bist ein Gott, der mich sieht" – das ist kein Satz, der beängstigend gemeint ist, im Sinne eines Gottes, vor dem man nichts verheimlichen kann und der alles sieht, auch im Verborgenen. Vielmehr ist es ein Ausdruck der Dankbarkeit, des Wissens, dass Gott auf sie blickt unabhängig von ihrem sozialen Status und von ihrer Person.

Wer war diese Hagar? Sie war Dienerin von Abraham und Sara. Über Jahrzehnte war deren Ehe kinderlos geblieben. Sicher auch aus Angst, ohne Nachwuchs sterben zu müssen, gab Sara ihrem Mann Abraham Hagar 'zur Seite'. Sie wurde schwanger, gebar einen Sohn, doch fortan war Sara eifersüchtig und behandelte sie schlecht. Hagar floh in die Wüste.

Dort ist sie nun, hat auf der einen Seite die belastenden Verbindungen zu Sara und Abraham hinter sich gelassen. Doch gleichzeitig erfährt sie Einsamkeit und wohl auch Todesangst. Sie ist auf dem Weg nach Schur, wo sie auf eine Quelle trifft und der Engel Gottes ihr begegnet. Durch ihn wendet sich das Blatt, sie schöpft neue Kraft, Mut und Hoffnung. Mehr noch: ihr Sohn Ismael wird mächtig werden und eine große Nachkommenschaft bekommen.
In ihrem Sohn Ismael – dies bedeutet "Gott hört" - wird sie letztlich zur Stammmutter der Araber.

"Du bist ein Gott, der mich sieht." Von diesem 'Augenblick' an bewegt sie sich im Schutz Gottes.
Im Moment der großen Schutzlosigkeit macht sie diese so lebens-notwendende Erfahrung.
Eine tröstliche und verheißungsvolle Botschaft, die uns Hagar mit ins neue Jahr gibt.

Es gibt keinen Ort, keinen Moment, keinen Tag, kein Ereignis, an dem wir nicht auch von Gott gesehen und liebevoll in den Blick genommen werden.

Man kann wohl sagen, dass dieser Satz unserer Jahreslosung für Hagar wie ein 'persönliches Glaubensbekenntnis' geworden ist.
Möge dieser Satz auch Ihnen und Euch im Jahr ein guter Wegbegleiter sein.

Herzliche Grüße Pfr. Diethard Buchstädt