Andachten

 Jahreslosung 2020

Bildrechte: Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

 

Jahreslosung 2020:

Seid barmherzig …

allein diese ersten beiden Worte würden schon genügen, um uns einen guten Leitfaden für das neue Jahr 2021 zu geben. Barmherzigkeit als Grundhaltung in all dem, was ich denke und rede, wie ich handle und entscheide.

Im zu Ende gehenden Jahr 2020 haben wir gespürt, wie wichtig eine liebevolle Zuwendung zu unseren Nächsten ist. Die Pandemie hat uns alle vor große Herausforderungen gestellt – und dies wird wohl auch noch eine Weile lang andauern. Nicht selten stand in den Überlegungen und Handlungen manches Eigeninteresse über dem solidarischen Gedanken, das Ich über dem Wir.

Viel ist unternommen worden, um Risiken einzudämmen, Folgen abzumildern, richtige Weichenstellungen zu treffen. Doch welche Wege, Maßnahmen und Entscheidungen richtig und zielführend waren, wird sich wohl erst im Lauf der Zeit herausstellen.

Das Wort der Jahreslosung erinnert uns daran, dass wir täglich aufs Neue von Gott nicht nach dem angesehen und beurteilt werden, was misslingt. Vielmehr begegnet uns Gott so, wie es im Psalm 103, 8 heißt: „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.“

Gerade im Umgang miteinander ist es wichtig, nicht in Rechthaberei und Schuldzuweisungen zu verfallen, sondern in einer Atmosphäre der Barmherzigkeit und des gegenseitigen Verzeihens Zukunft zu gestalten. Denn Gott, unser aller Vater, hat uns dies zuerst geschenkt, seine Gnade. Im Leben und in den Worten seines Sohnes Jesus Christus erkennen wir, welche Kraft und Verheißung in der praktizierten Liebe und Nächstenliebe steckt.

Wie dankbar können wir sein für Menschen, die Zeit und Engagement für all diejenigen aufgebracht haben, die von Krankheit, Angst und Sorge betroffen waren und noch sind. Für mich ist alle tätige Hilfe und Zuwendung ein Geschenk Gottes, und auch Worte und Gesten sollen davon durchdrungen sein. Denken wir dabei an die alten sieben Werke der Barmherzigkeit, die es ja als leibliche und geistliche Werke gibt.

Gottes Liebe ermutigt uns, sie weiterzugeben und zu teilen. Barmherzigkeit erfordert keine Gegenleistung, sie schaut nicht auf Lohn, Anerkennung oder Erfolg. Sie hat allein das Wohlergehen des mir als Nächsten begegnenden Menschen im Blick. Gehen Sie mit diesen Worten behütet und getragen in ein neues Jahr.

Ihr Pfr. Diethard Buchstädt

Video-Andacht zum Karfreitag

Video-Andacht zum Ostersonntag

 

Andacht – Sonntag, 19. April 2020

Tageslosung:
Er behütete sein Volk wie seinen Augapfel
(5.Mose 32,10)

Ein schönes Wort! Wir finden diese Zusage auch im 17. Psalm: Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Wenn wir davon reden, dass wir jemanden oder etwas wie einen Augapfel behüten, geht es immer um etwas besonders Kostbares.

Und so trifft uns diese Zusage der Losung als Zuspruch vor weiteren Wochen mit Angst und Sorge und mit fortdauernden Beschränkungen unseres Lebens… Gott wird – so das trostvolle Versprechen – uns auch in dieser Krise weiterhin behüten und beschirmen, damit uns nichts zustößt.

Ich jedenfalls bin zuversichtlich, dass diese Krise bewältigt werden wird und wir am Ende feststellen dürfen, dass wir auch mit Gottes Schutz und Schirm unbeschadet durch diese Zeit hindurch gekommen sind.

Dies hoffe und bete ich für uns alle, im Besonderen aber für die Jugendlichen, die am 10. Mai hätten konfirmiert werden sollen und jetzt ihr großes Fest erst nach den Sommerferien feiern können. Ihnen und uns allen gebe ich heute schon den Segen mit auf den Weg, der den Jugendlichen bei ihrer Konfirmation persönlich zugesprochen werden wird:

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist
schenke Dir seine Gnade,
Schutz und Schirm vor allem Bösen,
Stärke und Hilfe zu allem Guten,
dass du bewahrt wirst zum ewigen Leben.

Dies verleihe Gott uns allen!

 


Andacht Samstag 18. April 2020

Tageslosung:
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. (Titus 2, 14)

 „Denn die rettende Gnade Gottes ist offenbar geworden“ So hat unser Predigtwort begonnen. So heißt es nur wenige Verse vor unserem heutigen Andachtswort.

Wenn wir heute von Rettung sprechen, haben wir auch immer eine Notsituation im Blick. Rettung in letzter Minute, der Rettungsdienst, der in kürzester Zeit das schlimmste verhindern soll. Rettung aus einer Gefahr, aus der man sich selbst kaum mehr befreien kann.

Dazu braucht es andere, Hilfe von außen. Doch für wie viele Menschen ist in diesem Jahr keine Rettung mehr möglich gewesen. Sei es durch das Corona-Virus, aber sei es auch – noch immer – auf dem Meer. Menschen, die es nicht geschafft haben, ihr eigenes Leben in Sicherheit zu bringen.

Erschreckend und bestürzend haben wir Bilder vor Augen, wenn Menschen um ihr Leben kämpfen. Und vielleicht auch manchesmal grotesk, wenn um viele Leben – völlig zu Recht – bis zur letzten Minute gekämpft und alles getan wird, wenn aber auch viele Leben fast wie einem Schicksal preisgegeben erscheinen.

Und da ist von der rettenden Gnade Gottes die Rede. Sicher nicht in erster Linie auf unser körperliches Wohlbefinden gemünzt, sondern auf unser geistliches und seelisches Heil.Befinden wir uns auch in einer Notsituation, sind auch wir auf Hilfe angewiesen ?

Ich möchte sagen: Ja wir sind es, wir sind es als Einzelne und als Gemeinschaft von Menschen, die sich wieder besinnen muss auf die Werte, die unser Zusammenleben ausmachen.Und dies ist zumindest die Achtung und der Respekt jeglichen Lebens, jeglichen Daseins, unabhängig von unterschiedlichen Auffassungen und Meinungen, von Ängsten und Befürchtungen.

Gut, dass sich Gott ohne unser Urteil entschieden hat. Gut, dass er selbst Mensch geworden ist, bevor noch der Mensch zum Gott wird. Gut, dass Gott selbst den Weg in diese Welt gewählt hat als ein Helfer, der von außen an uns herantritt und uns die Hand reicht. Dem vor allem jedes Leben als gleich wert und wertvoll erachtet, auch wenn nicht wenige tragisch und schon ‚vor der Zeit‘ ein Ende finden.

Bei all dem, was uns und die Welt momentan in Atem hält, spüren wir: Da gibt es neben dem, was wir nicht (oder noch nicht) allein durch uns beeinflussen können, immer auch Situationen, in denen wir als Menschen ungerecht sind und handeln. Wenn aus Notsituationen Kapital geschlagen wird oder wenn anstelle einer notwendigen Solidarität oftmals wieder das Ich-Prinzip oben an steht. Dankbarerweise gibt es so vieles an ‚guten Werken‘, ein Handeln am und für den Nächsten.

Gott befreit uns dazu – im Vertrauen dass sein Kommen in diese Welt für uns das Heil bedeutet.

 


Andacht Freitag 17. April 2020

Tageslosung:
Der Herr wird mich erlösen von allem Übel und mich retten in sein himmlisches Reich.
(2.Timotheus 4,18)

Diesen hoffnungsfrohen Seufzer schreibt der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus und schließt Grüße an Priska und Aquila an, die ihm als Mitstreiter in der Verkündigung des Evangeliums wohlvertraut waren, so dass es sich lohnt einen Blick auf die beiden zu werfen, die seufzenden Menschen wie uns als Vorbilder in der Lebenseinstellung dienen können:

Die beiden leben im 1. Jahrhundert nach Christus in der Hauptstadt des Römischen Reiches, in Rom. Sie, die in der Bibel in der Regel immer zuerst genannt wird, heißt Priska, was so viel wie alt/ehrwürdig bedeutet. Von Paulus wird sie immer Priska genannt und von Lukas Priszilla. Ihr Mann heißt Aquila, ebenfalls lat. und bedeutet Adler. Er stammt ursprünglich aus Pontus, einem Teil der heutigen Türkei.  Vermutlich ist Priska Römerin. Um für die Gemeinden im Mittelmeerraum da zu sein, ziehen sie häufig um.

Aber weshalb können die beiden vorbildlich für uns sein? Vier Eigenschaften möchte ich hervorheben:

PRISKA UND AQUILA sind vorbildlich flexibel: Rom - Korinth - Ephesus - Rom - Ephesus. Das ist ja nicht unbedingt normal, dass man im 1. Jahrhundert andauernd umzieht. PRISKA UND AQUILA sind offensichtlich bereit, sobald es das Reich Gottes erfordert, ihren Wohnort zu wechseln. Braucht Gott sie woanders, gehen sie woanders hin.

PRISKA UND AQUILA sind vorbildlich spontan: Paulus kommt nach Korinth - kann bei ihnen wohnen. Paulus braucht sie in Ephesus - geht in Ordnung, also ziehen sie mit ihm. Apollos braucht noch Tipps, damit er das Evangelium noch besser verkündigen kann - kann er haben. Sie merken, dass sie im Reich Gottes irgendwie gebraucht wurden und sie stellen sich zur Verfügung. Wohnung, Umziehen, Lehre - PRISKA UND AQUILA setzen sich spontan da ein, wo es nötig ist.

PRISKA UND AQUILA sind vorbildlich unkompliziert: Paulus wohnt bei ihnen, die Gemeinde von Ephesus trifft sich bei ihnen, die Gemeinde in Rom auch. Alles in ihrer Hütte. Es wird Platz gemacht, damit sich das Reich Gottes ausbreiten kann.

PRISKA UND AQUILA sind vorbildlich risikofreudig: Paulus hat lebensbedrohliche Probleme. Wir wissen nicht welche, aber PRISKA UND AQUILA sind bereit, ihr eigenes Leben zu riskieren, damit Paulus gerettet wird. Dadurch kann Paulus weiterhin die gute Nachricht verkünden. Auch viele andere Gemeinde profitieren davon. Kurz und gut: Sie setzen ihr Leben für das Reich Gottes ein. Sie waren flexibel, spontan, unkompliziert und risikofreudig. Und das immer in Bezug auf ihr ganzes Leben, nicht auf Teilbereiche. Ein hohes Ideal? Vielleicht zu hoch für uns? Ein Vorbild, was man nicht erreichen kann und damit uninteressant ist?

Ich denke: Nein! Flexibel, spontan, unkompliziert und risikofreudig sind Attribute, die die Lebenseinstellung der beiden beschreiben und uns Mut machen können, durch unsere Lebenseinstellung Vorbilder im Glauben zu sein oder werden. Und diese Einstellung wird gerade in Zeiten wie diesen deutlich, wenn uns die Einschränkungen der Krise oft die Luft zum Atmen nehmen.

 


Andacht Donnerstag 16. April 2020

Tageslosung: Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. (1 Kor 2,12)

Gottes Geist – wir können ihn nicht sehen, aber wir können ihn sehr wohl spüren. Denn wir nehmen wahr, was er in uns und mit uns „anstellt“, welche Veränderungen sich für unser Leben ergeben. Vielleicht stand der Apostel Paulus damals auch vor der Aufgabe, über den Geist was sagen zu sollen.

In einer Zeit, in der das Christentum allenfalls in den Kinderschuhen steckte, wo nur wenige sich diesem neuen Glauben angeschlossen hatten, allenfalls einige Familien, einige Häuser, in einer Umgebung, die von anderen Göttern und Vorstellungen geprägt war.

Paulus musste wohl versuchen „zu erklären“, was es mit dem Geist auf sich hat. Warum dieses junge Christentum sich so manchen Erklärungen und dem Verstehen entzieht. Warum dieses Symbol des Scheiterns, das Kreuz als Zeichen der Liebe und der Macht Gottes, für die Christen zum Zentrum geworden ist.

Und so stellt Paulus schon fast diesen Gegensatz auf: Der geistliche Mensch – der natürliche Mensch. Die Botschaft vom Kreuz – die Torheit der Welt.

Wenn wir Christen auf das Kreuz sehen, dann entdecken wir natürlich dahinter weit mehr als nur zwei Balken. Wenn wir im Glauben stehen und vom Glauben reden, dann steht dahinter eine Geschichte, unsere Lebensgeschichte, die wir von Gott her deuten. Erfahrungen und Begegnungen, die uns geprägt haben und noch prägen werden. Dass ich mich als Kind Gottes ansehen kann und die Menschen, die um mich sind.

Dass ich in guten und in schwierigen Zeiten mich getragen weiß von Gottes Liebe, die mehr vermag als unser vernünftiges Denken. Dass ich aus meinem Glauben heraus tätig werde für das Wohl in der Gemeinschaft und dies anderen mit Worten und Taten zeige.

Zu dieser Gemeinschaft befähigt uns der Geist, er ruft uns, nimmt uns hinein in die Gemeinde Jesu Christi. Sie ist größer und weiter als unsere Kirchengemeinden, als unsere Landeskirchen, als unsere europäischen Kirchen. Oft spüren wir: Diese Gemeinschaft ist da, wo Menschen sich unter diesem Geist versammeln und um ihn bitten. Wo menschengemachte Mauern fallen und Schranken brechen, sei es unter den Konfessionen, sei es unter den Nationen - die Freude, die Dankbarkeit, die Zuversicht, dass Gott zu uns gekommen ist und uns geschenkt hat, was uns nichts auf dieser Welt bieten kann.

Die Zusage, dass die Macht des Todes gebrochen ist und mit ihm alles, was uns unterwirft. Die Verheißung auf ein Leben, in dem nicht mehr Menschen gegen Menschen sich erheben, sondern wahrhaft eine Gemeinschaft ist  - unter uns und mit Gott. Die Befreiung von der Macht der Sünde und des Bösen im Glauben an die Vergebung bei Gott.

Im Vertrauen auf den Geist sind wir schon die Gemeinschaft der Heiligen, die wir in unseren Gottesdiensten bekennen. Und als diese Gemeinschaft empfangen wir unser Leben, unseren Lebenssinn nicht aus den Gegebenheiten des Alltags, sondern aus der Verheißung Gottes.

Man kann es erzählen und darüber sprechen. Doch wirklich erkennen und empfinden wird man es erst, wenn man davon ergriffen und erfasst ist.

 


Andacht Dienstag 14. April 2020

Tageslosung:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten (1 Petr 1, 3)

Christ zu werden, Christ zu sein und zu bleiben, das ist – so meine ich – eine Gnade und ein Geschenk Gottes.

Wie viele lesen oder hören Worte aus der Bibel, gerade in diesen Tagen die Botschaft der Auferstehung. Wie viele lehnen das ab oder können kaum etwas damit ‚anfangen‘. Manche zweifeln (was ja gut ist) vom Denken her, und dennoch spüren sie eine Kraft, die in diesen Worten steckt. Und es wird etliche geben, bei denen Gott 'auf einmal' ein offenes Ohr oder ein offenes Herz findet, vielleicht in einer Situation, in der es besonders auf Hoffnung ankommt. 

Was der Verfasser des Petrusbriefes in seinem Lob beschreibt, ist Gottes Handeln, das all unserem menschlichen Tun, Wollen und Vorhaben vorausgeht. Er argumentiert von dem her, was Christus und Gott für uns getan haben.

Und das hat sich ereignet in der Tiefe der Kreuzigung, des Todes und in der Auferstehung, dem Geschenk des neuen Lebens. Ganz begreifen werden wir dieses Ereignis von Karfreitag und Ostern wohl nie. Natürlich sind wir immer wieder im Zweifel, was denn Ostern und die Auferstehung für uns bedeuten mögen, für alle, die unter der Macht und den Vorzeichen des Todes leiden. Auch und gerade in der langen Zeit, die schon seit Christi Auferstehung vergangen ist. Wo wir täglich viel mehr die Auswirkungen des Alten sehen, die Vergänglichkeit, die Brüchigkeit, die Vorläufigkeit alles was geschaffen ist.

Eben dies nimmt uns in Beschlag, weil es mehr als genug unser Denken und Fühlen prägt. Momentan ganz besonders, da wir so vieles wahrnehmen, wo uns Grenzen gesetzt sind. Und wo sich der Glaube dagegen als ein kleines Pflänzchen ausnimmt, das sich aus der Hoffnung und der Liebe speist.

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben, hat Jesus zu Thomas gesagt. Nicht als Forderung oder gar Drohung. Sondern als Zusage, als ermunterndes und verheißendes Wort. Dich kann und wird nichts mehr trennen von Gottes Liebe: Du bist wie neugeboren, weil du nun Christus gehörst, deinem Herrn.

Diese Zusage ist über uns in der Taufe gesprochen worden. Es ist gut, sich daran zu erinnern: Ihr seid mit Christus auferstanden. Darin wandelt ihr quasi jetzt schon in einem neuen Leben.


Andacht zum Ostermontag – 13. April 2020

Tageslosung:
Der Engel sprach zu den Frauen: Geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. (Matthäus 28,5.7)

Nun ist plötzlich Eile geboten…

Die gute, die frohe Botschaft soll und muss sich verbreiten. Deshalb fordert der Engel die beiden Frauen am Grab auf, nicht zu lange in Erstaunen vor dem leeren Grab zu verharren, sondern sich aufzumachen, um die Nachricht von der Auferstehung Jesu in die Welt hinaus zu tragen. Es sind Neuigkeiten für die Welt, die nicht im kleinen Kreis verbleiben sollen.

Wir haben ja alle in den letzten Wochen einen Eindruck davon bekommen können, wie schnell und wie weit sich Nachrichten verbreiten können: Am schnellsten natürlich Katastrophenmeldungen, die bereitwillig weitererzählt und dabei oft noch mehr dramatisiert werden. Aber auch die positiven Nachrichten, die Hoffnung erzeugen, finden ihren Weg quer durch unser Land.

Dann ja wohl erst recht die Botschaft von der Auferstehung Jesu und die Zusage, auch jetzt die Menschen zu begleiten und ihnen nahe zu sein. Er – Jesus - gehe ihnen voran, verspricht der Engel und gibt damit die Zusage: „Auch jetzt, wenn euch die Angst vor dem Tod und die Trauer des Abschieds noch in den Knochen sitzen, lässt euch Jesus nicht allein. Er geht vor euch hin – und zwar – nach Galiläa, da werdet ihr ihn sehen.

Galiläa! Dort, wo Jesus zu Lebzeiten den Menschen am nächsten war, sie getröstet, aufgebaut und geheilt hat, wo seine Wundertaten seine Göttlichkeit offenbarten, dort will er sich auch jetzt den Menschen zeigen und ihre Gemeinschaft suchen.

Dieses Versprechen ist existenziell für uns und gerade deshalb muss die Osterbotschaft weitergetragen werden. Darin liegt der Grund, dass, nachdem die Kirchen während der Corona-Krise geschlossen sind, so viele Gemeinden an diesem lFest nach alternativen Möglichkeiten suchten, um diese frohe Nachricht weiterzugeben. Dies ist kein Anbiedern an den modernen, digitalen Zeitgeist, sondern die Erfüllung unseres Auftrags zur Verkündigung mit zeitgemäßen Medien.

Und so wie Jesus versprochen hat, sich den Menschen an den Orten der größten Nähe als lebendig zu zeigen, vertraue ich darauf, dass wir ihn auch wieder als lebendig unter uns erleben werden, wenn wir uns als Gemeinschaft, als Gemeinde wieder treffen werden…

Bis dahin erzählen wir, was wir von ihm wissen und glauben…


Andacht zum Karsamstag - 11. April 2020

Tageslosung:
Christus hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz,
damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. (1. Petrus 2,24)

„Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“ Dieser eindrückliche Satz stammt von Dietrich Bonhoeffer, dessen 75. Todestag am 9. April wir gedacht haben. Er wurde hingerichtet im Konzentrationslager Flossenbürg (im übrigen wurde Georg Elser am gleichen Tag im KZ Dachau umgebracht).

Und er umschreibt dies mit den Worten. „Sie wird von Maß, Echtheit, Vertrauen, Treue, Stetigkeit, Geduld, Zucht, Demut, Genügsamkeit, Bescheidenheit sprechen müssen. Sie wird die Bedeutung des menschlichen ‚Vorbildes‘ (das in der Menschheit Jesu seinen Ursprung hat und bei Paulus so wichtig ist!) nicht unterschätzen dürfen, nicht durch Begriffe, sondern durch ‚Vorbild‘ bekommt ihr Wort Nachdruck und Kraft.     Aus: Dietrich Bonhoeffer Werke (DBW), Band 8: Widerstand und Ergebung, Seite 560-561.

Auf Christus sehen – seinem Vorbild nachfolgen, auch bis in den Tod. Dieser Herausforderung mußten sich wohl sehr viele der ersten Christinnen und Christen stellen. So auch die Adressaten des 1. Petrusbriefes (der wohl nicht von Petrus selbst stammt). Immer wieder dürfte es damals darum gegangen sein, seinen Glauben zu bewahren, gerade in Zeiten schwerer Anfechtungen und auch Verfolgungen.

Und wie ein roter Faden zieht sich durch Briefe und Schreiben aus der Zeit – durchaus auch schon nach 100 – dieses Thema: Christus ist für dich, für uns alle gestorben. Er hat die Sünden und die Schuld der Menschen mit in seinen Tod hineingenommen. Stellvertretend hat er das erlitten und wohl auch getan, was uns als Menschen unmöglich war.

Sein Leben und sein Tod, es ist für uns geschehen. Man kann sicherlich darüber nachdenken und diskutieren, ob es nicht auch andere Wege und Möglichkeiten gegeben hätte, Gott mit den Menschen zu ver-söhnen. Man kann abwägen, wie viel an Freiwilligkeit, an Zwang, Notwendigkeit oder Geschehenlassen sich hinter dem Kreuzestod verbirgt. Man kann diesen ‚Sachverhalt‘ weder rational begründen oder vielleicht gar in seiner ganzen Tiefe verstehen.

Es wird keine letzte und abschließende Wahrheit über die göttlichen und menschlichen Gründe und Ursachen geben. Doch ich bin der Überzeugung, dass alles was Jesus erlebt und erlitten hat, für unser Leben und unseren Glauben von grundlegender Bedeutung ist: Ein Leben, Sterben und Auferstehen für andere, für die Menschen, die er liebt, die ihm am Herzen liegen.

Kirche als Kirche für andere gründet auf diesem Jesus, der als Christus den Tod überwunden hat. Alles Reden und Handeln ist ein Zeugen-Dienst in der Nachfolge, in Wort und Tat, in Verkündigung und tätiger Nächstenliebe, in der Gemeinschaft untereinander wie auch in der Gegenwart nach außen hin.

Gehen wir den Weg mit ihm im Vertrauen auf seine Gegenwart weiter …

 


Andacht zum Gründonnerstag - 9. April 2020

Tageslosung:
Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

(Markus 14,26)

Martin Luther hat einst unser Dasein als Glaubende umschrieben als simul iustus et peccator‘. Wir sind gleichermaßen gerecht und sündhaftig. Wir sind nicht das eine oder das andere.
Gerecht(fertigt) sind wir, weil uns Christus selbst unsere Schuld in seinen Tod mit hineingenommen hat, und weil uns Gott die Gnade durch den Glauben schenkt.
Sündhaftig sind wir, weil wir eben Menschen sind, die sich immer wieder neu verstricken in so vieles, was in Gottes Augen nicht recht ist.

Wir müssen, aber wir dürfen uns dessen immer wieder bewusst machen. Dass wir  einen Herrn haben, der uns so annimmt und einlädt, wie wir sind, mit all dem was gelingt, und was misslingt, was wir rechtes tun oder auch unrechtes.

Am Gründonnerstag wird uns dies besonders bewusst. Wir denken an dieses letzte Passamahl von Jesus mit seinen Jüngern. Ein Abschiedsessen, nach dem sich noch vieles ereignen wird. Der Verrat, die Verhaftung, Verleugnung, diese Hin-  und Hergeschiebe, wer letztlich verantwortlich ist.

Bin ich es, der dich verrät, so fragen die Jünger der Reihe nach ... Und wir können in einem Atemzug weiterfragen: Werde ich es sein, wer unter uns wird es sein, der in die Fußstapfen des Abtrünnigen treten wird.

Würden wir uns da nicht auch entrüstet dagegen wehren? Ich doch nicht, wir doch nicht, wir liefern doch keinen ans Messer! Bin ich denn Herr meiner Entscheidungen, bis ich selbst überhaupt in der Lage, über mein Wollen zu entscheiden – und mit Sicherheit sagen zu können. Ich doch nicht ...

Heute noch feiern wir das Mahl untereinander und mit Gott, reichen uns die Hand, und schon bald kann eine Situation eintreten, die uns vor eine Entscheidung stellt, eine Gewissensfrage: Wie hältst du es denn mit Jesus, mit Gott, mit deinem Glauben? Bist nicht auch du all zu schnell bereit, deine Jüngerschaft an andere Mächte und Ideologien preiszugeben? Wenn es brenzlig wird, wenn das Geld lockt, wenn du plötzlich Macht in Händen hältst ...

Jesus selbst lädt an seinen Tisch. Wer von uns könnte sich rühmen, die ganze Wahrheit zu haben, wer könnte sich rühmen, nie Fehler oder Schuld begangen zu haben?

Das Abendmahl, es umfasst eine Gemeinschaft von Menschen, die nicht durch ihre eigenen Verdienste, durch ihren Lebenswandel an den Tisch geladen sind. Etliche von den Jüngern damals waren alles andere als ‚Heilige‘. Auch oder gerade sie haben immer wieder gezweifelt, haben geschwankt und Jesus sogar verleugnet.

Als solche ‚Gerechte und Sünder zugleich‘ sind die ´Jünger ihren Weg gegangen, hinein in den letzten Abend mit Jesus. In jedem Abendmahl denken wir an die Gemeinschaft mi Jesus, und dass auch uns auf unseren künftigen Wegen begleitet.

 


Andacht zum Mittwoch – 8. April 2020

Tageslosung: Eure Traurigkeit soll zur Freude werden.
(Johannes 16,20)

Beim Abschiednehmen von einem liebgewonnenen Menschen verspüren wir die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Besonders am Grab. All die präsenten Erinnerungen, die guten Erfahrungen und die verbindende Liebe stützen diese Hoffnung.

Der Gedanke an ein Wiedersehen muss aber auch nicht immer Freude bedeuten. Der Tod trennt Menschen von Menschen, und was für den einen Verlust bedeutet, kann für den anderen Gewinn bedeuten.

Manch einer ist froh, dass er einen bestimmten Menschen eben nicht mehr wiedersieht. Erde zu Erde, Asche zu Asche: diese Begräbnisformel möge dann bitte auch zum Ausdruck bringen: jetzt ist Schluss, jetzt bin ich frei. Diesem Menschen möchte ich nie wieder begegnen.

Für denjenigen, der so unter einem anderen Menschen gelitten hat, wird die Auferstehungshoffnung geradezu ein Horror: der Tote kehrt wieder. Stoff für einen Gruselfilm, aber keine christliche Auferstehungshoffnung.

Die Hoffnung auf das Wiedersehen ist also zutiefst zwiespältig. Und das unterstreicht noch einmal eine Anekdote, die von dem evangelischen Theologen Karl Barth überliefert ist:

Bei einem Tischgespräch ging es um die Frage von Tod und Auferstehung und ewigem Leben. Da wollte eine vornehme Dame von dem Professor wissen: "Können Sie mir ganz klipp und klar sagen: Werde ich im Himmel gewiss auch meine Lieben wiedersehen?" Barth erwiderte daraufhin spontan: "Ihre Lieben, ja. - Aber auch die anderen!"

Als Jesus seine Jünger kurz vor seinem Tod auf den Abschied vorbereitete, sprach er auch von einem Wiedersehen. Nicht jedoch so, dass wir uns wiedersehen, sondern dass wir ihn wiedersehen. Und er spricht davon anders als wie wir das vielleicht erwarten. Jesus spricht nicht von einem Abschied für immer.

Natürlich war ihnen allen klar, dass Jesus nicht mehr so bei ihnen ist, wie er es vorher körperlich war. Aber er war auch nicht einfach weg.

Daher wuchs in den Jüngern die Einsicht, dass sie diesen Jesus, der ihnen auf so plötzliche und gewaltsame Weise genommen war, nie wieder verlieren würden. Egal, was immer sie im Leben anstellen würden, egal was ihnen wiederfahren könnte - Jesus würden sie nie wieder verlieren.

So hatten sie in der Tat Jesus wieder gesehen, als er ihnen erschien (Lk. 24,34), und die Osterfreude erlebt, - diese Wiedersehensfreude, die ihnen niemand mehr nehmen konnte. Und sie hatten erlebt, dass sie durch diese Osterfreude verwandelt wurden, zu neuen Menschen. Von Grund auf. Und das musste auch sein.

So wünsche ich uns, dass das bevorstehende Osterfest unseren Blick radikal verändert: wo wir vorher nur den Tod sehen, der stumm ist und stumm macht, werden für uns die Geburtswehen einer neuen Welt erkennbar, in der nichts mehr so ist, wie es vorher einmal war : Der Sonnenschein jetzt kommt herein / und gibt der Welt ein’ neuen Schein. / Die ganze Welt, Herr Jesu Christ, in deiner Urständ fröhlich ist. Halleluja, Halleluja. (EG 110)


Andacht zum Dienstag - 7. April 2020

Tageslosung: Mk 4, 40 „Habt ihr noch keinen Glauben“?

Liebe Gemeinde,

Not lehrt beten, so lautet ein bekannter Spruch. Leider, so müssen wir einsehen, enthält er eine gehörige Portion an Wahrheit.

Wenn die Zeiten gut sind, was das auch immer heißen mag, dann hängt der Mensch lieber an den schönen Dingen des Lebens. In schlechten Zeiten wenden sich die Menschen zu Gott, dann werden angeblich auch die Kirchen wieder voller. Ob das für die jetzige Situation auch gelten mag?

In ihrer Ausgabe vom 5. April startete die Süddeutsche Zeitung eine Leserdiskussion unter dem Titel. „Coronavirus: Macht uns die Krise zu besseren Menschen?“ Viele waren skeptisch nach dem Motto: Wer sich vorher solidarisch verhalten hat, hat dies ebenso in der Krise getan und wird es hinterher genauso halten. Und die anderen werden sich kaum grundlegend ändern. Ob sich Menschen nach einer Not besinnen?

Ich hoffe, dass dies geschieht, und dass die Kirchen nicht nur Not-Nagel sind. Mehr als ‚nur‘ ein Player bei sozialen und gesellschaftlichen Herausforderungen, sondern ein Medium, das uns Vertrauen auf Gott in allen Zeiten unseres Lebens näherbringen kann.

Wir spüren es besonders jetzt in der Karwoche, wo die Kreuzigung mehr und mehr als grausames Geschehen in Frage gestellt und nicht selten abgelehnt wird. Und ebenso am Ostersonntag, wo gerade die Auferstehung ins Reich der Fabeln verbannt wird. Das für uns als Christen grundlegende Geschehen spielt zusehends weniger eine Rolle für unseren Glauben.

Um ein guter Mensch zu sein, muß ich nicht Christ sein, so heißt es. Und was bleibt dann noch für den Glauben übrig? Nur noch Rettungsanker in einer ausweglosen Lage als letzter Strohhalm an den man sich klammert?

Habt ihr keinen Glauben, so fragt Jesus auf stürmischer See?

Aber warum lässt es Gott überhaupt so weit kommen? Der schlafende Jesus, der oftmals so apathische Gott? Warum greift er nicht oder nicht eher ein, der Schöpfer des Himmels und der Erde, sondern lässt sich von den halb ertrinkenden Jüngern erst bitten und betteln?

Vielleicht liegt ein Grund darin, dass Jesus hilft, aber nicht Erfüllungsgehilfe ist. Oder auch, dass es schwierige Erfahrungen braucht, um zu erkennen, wer und was mich wirklich hält und trägt. Es gibt keine ein-deutige Erklärung. Ich meine: Solange er in diesem Boot mit sitzt, wird es auch noch so schweren Stürmen trotzen. Was wir hier vor Augen haben, das ist immer wieder bedroht und gefährdet. Darum können wir immer wieder – ‚nur‘ . um den Glauben bitten, um das rechte Handeln, um den nächsten Schritt wenden wir uns an Gott, er möge sein Schiff und uns bewahren.

Im Gebet, das nicht nur und nicht erst in der Not uns lehrt, auf den einen und dreieinigen Gott zu vertrauen. Aber das uns helfen kann, auch nach schwerer Zeit daran festzuhalten.

 


Andacht zum Montag - 6. April 2020

Tageslosung:
Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre.
Hosea 8,12

Lehrtext zur Losung:
Jesus spricht:  Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeuge. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
Johannes 18,37

Die einen raten zum unbedingten Tragen eines Mundschutzes in diesen Corona-Zeiten. Andere warnen davor: Der Mundschutz bringe nicht wirklich etwas und wiege in trügerischer Sicherheit mit der Gefahr, die weitaus wichtigeren Umgangsregeln zu vernachlässigen. Wer in diesen Wochen die Aussagen der diversen Fachinstitute und der kompetenten Virologen aufmerksam verfolgt, sucht vergeblich nach der verbindlichen Wahrheit.

„Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt in der nichts sicher scheint.“, singen Silbermond in einem ihrer Welthits. So suchen wir in all den verwirrenden Aussagen zum Corona-Virus die gültige Wahrheit, die uns diese Sicherheit geben könnte.

Gerade auf unserem Weg auf Ostern zu, wird mir besonders deutlich, dass mir nichts Weltliches diese Sicherheit verschaffen könnte.
Es ist der Weg Jesu, der mir Sicherheit schenkt Und seine Worte, mit denen er die Wahrheit bezeugt. Nie tiefer als in seinem Leidensweg bezeugt er die Zusage, dass er bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende.

Wir durchleben sorgenvolle Wochen, die sicher noch einige Zeit dauern werden. Trotzdem oder gerade deswegen will ich mir davon nicht den Blick auf Ostern verstellen lassen. Er, der die Gegenwart Gottes in der Welt ist, stirbt und wird auferstehen und dadurch den Tod überwinden. Das ist die Wahrheit, die ich höre, und die Hoffnung, die ich brauche, um in diesen Wochen nicht durch Sorgen und Angst zu verzweifeln.

Deshalb möchte ich diese Woche ganz bewusst (wieder) auf Jesu Weg schauen, auf sein Verraten-sein, seine Verurteilung und Kreuzigung, seine Auferstehung und sein Mitgehen mit den Jüngern. Darin liegen der Mut und die Zuversicht, die ich momentan so dringend brauche.

Auch wenn wir in diesem Jahr nicht gemeinsam in unserer Kirche feiern dürfen, sondern vereinzelt in unseren Haushalten, sind wir doch eine Gemeinschaft, die im Glauben an den Auferstandenen über alle Versammlungsbeschränkungen hinweg verbunden ist und bleiben wird.

Ich wünsche Ihnen allen die Kraft, das Geschick, den Mut und das Glück den eigenen Weg durch diese Wochen zu gehen. Und jeder Schritt geschieht unter der Zusage und dem Segen des mitgehenden Gottes, auf den Sie vertrauen dürfen…

 

 


Andacht zum Palmsonntag – 5. April 2020

Tageslosung:

Als die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!  (Joh.  12,12-13)

Jesus zieht in Jerusalem ein. Ein Bild, das vor allem Kinder immer wieder fasziniert. Begeistert wird er von dem Menge empfangen. An beiden Seiten stehen Menschen und wollen ihn sehen, spüren,  hören und wohl auch nahe sein.

Das Bild erinnert mich an so manchen Rummel, wie er bei Stars vorkommt. Eine Preisverleihung beim Film, wenn die Oscars verteilt werden. Mindestens ein roter Teppich wird ausgerollt. Schaulustige kommen in Scharen gekommen, um ihren Star einmal aus der Nähe zu sehen, ihn vielleicht die Hand zu schütteln oder ein Autogramm zu bekommen. Einmal dabei gewesen zu sein, einmal etwas von dem zu spüren, was den Glanz und den Ruhm ausmacht, den Glamour oder die Aura, die zweifellos etliche Stars umgibt.

Jesus zieht in Jerusalem ein. Die Menge jubelt ihm zu, wie einem Star, der die Massen begeistern kann und begeistert hat. Jetzt ist der Tag, jetzt ist die Stunde. Die Begeisterung kennt keine Grenzen. Und bis auf den heutigen Tag wissen wir, wie faszinierend solche Begeisterung sein kann. Mitten drin zu sein, sich tragen zu lassen von der Woge der Freude. Ein Teil zu sein in der großen Menge.

Gut wenn es friedlich und friedvoll zu geht. Aber es geht auch anders. Wenn Krawalle kommen oder gar Kriegshetze betrieben wird.

Und dann ist der Zug vorüber, die Party vorbei, die Lichter der Show sind ausgeknipst, die Masse hat sich aufgelöst.

Nachlese – oder auch böses Erwachen. Wir wissen: Da gibt es welche, die sich schämen, dabei gewesen zu sein. Sie haben sich treiben lassen, sind der Faszination der Menge erlegen, vielleicht auch der Versuchung  der Macht. Gemeinsam sind wir stark, aber einsam …

Da gibt es andere, die das gewesene einfach abhaken. So ist die Welt nun mal. Heute so, morgen so .. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.

Und wieder andere, die trauern, trauern dem nach, was sie einst begeistert hat, verfallen wieder zurück in ihren Alltag, den alltäglichen Trott.

Jesus zieht in Jerusalem ein. Bald ziehen dunkle Wolken am Horizont heran. Wie viele Hoffnungen werden einige Tage später zerplatzen. Falsche und begründete. Enttäuschungen, Wut, Hohn und Spott über den, der da so vieles bewirken sollte. Selbst die engen Freunde, die Vertrauten bekommen weiche Knie. Sollte das alles gewesen sein?

Aber nichts ist so vergänglich, so kurzlebig wie der Ruhm. Wie schnell kann eine ‚Karriere‘ wieder in der Versenkung enden. Vorbei alle Euphorie, und vergessen aller Jubel.

Jetzt am Beginn der Karwoche liegen Freud und Leid, Hoffnung und Enttäuschung, Leben und Tod so eng beieinander wie kaum sonst. Wir erleben mit, wie schnell sich Stimmungen wandeln können, wie rasch sich Menschen von dem abwenden, wenn die äußeren Umstände schwierig werden.

Nur wenige werden es am Ende der Lebenszeit Jesu noch sein, die ihm die Treue gehalten haben. Die an ihn geglaubt haben, selbst unter dem Spott und Hohn vieler ihrer Mitmenschen.

Wir erleben zur Zeit weltweit mit der Corona-Pandemie eine Herausforderung, die uns allen viel abverlangt, persönlich wie auch gesellschaftlich. Sie führt uns oftmals an die eigenen Grenzen, bei uns selbst, in der Familie, im Zusammenleben – so weit es möglich ist. Und auch von Leid und Tod werden viele nicht verschont.

Wie geht es uns mit der Hoffnung, der Zuversicht, dem Glauben, an den, der da kommen soll im Namen des Herrn? Führen uns die Umstände wieder näher an das, was Leben wirklich ausmacht, führt es uns zu einem Vertrauen auf Gott, dem wir im Leben wie im Tod vertrauen? Oder wachsen gar die Glaubenszweifel und die Abwendung gegenüber einem schier ‚ohn-mächtigen‘ Gott?

Den Weg mit Jesus – in der Nachfolge – zu gehen, heißt mit für mich gute und schwierige Abschnitte im Leben mit ihm zu beschreiten. Dabei zu bleiben im Vertrauen: Christus bleibt bei uns, gerade auch in Zeiten, wenn es ruhig und still in und um uns wird.
Mögen Sie dies immer wieder aufs neue erfahren

Bleiben Sie behütet … .